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Besondere Stiefmama - ich wollte nie die Böse sein......

26. September 2011 um 5:37

Hallo an Euch alle,
ich weiß nicht so recht wie ich anfangen soll - meine Geschichte ist ziemlich kompliziert. Alleine nen passenden Titel zu finden war schwierig genug.....

Ich habe mich entschieden mir hier mal ein paar Dinge von der Seele zu schreiben, die mich seit einiger Zeit belasten und für die es keine Vergleiche gibt wies aussieht. Jedenfalls hab ich ewig im Netz gegoogelt, aber keine Berichte gefunden, die mit meiner Situation vergleichbar wären. Deshalb suche ich jetzt hier mal nach neutralen Meinungen und vielleicht Ratschlägen.

So und nun komm ich endlich zur Sache.

Alsooooo, wie im Titel erkennbar bin ich eine besondere Stiefmama. Besonders, weil ich meinen Stiefsohn aufgrund einer besonderen Vorgeschichte bekommen habe.

Mein Mann und ich sind nun seit über 10 Jahren verheiratet und hatten eine sehr bewegte Beziehung mit vielen Aufs und Abs. Doch eines Tages beichtete er mir etwas, was mein komplettes Leben aus der Bahn geworfen hat. Ich muss dazu sagen, dass mein Mann kein Deutscher ist und regelmäßig in Urlaub in sein Heimatland gefahren ist.

Naja, eines Tages jedenfalls fragte er mich was ich dazu sagen würde wenn er ein Kind hätte. Ich dachte zunächst er will mich nur provozieren, aber er meinte es ernst. Er erzählte mir, dass er mich bei einem Aufenthalt in seiner Heimat betrogen hätte. Unter Alkoholeinfluss und ein einziges Mal. Gelegenheit macht Diebe sozusagen. Ich war komplett erschüttert, wusste gar nicht mehr was ich sagen oder tun soll. Er erzählte weiter, dass er bis vor einem halben Jahr selbst nicht wusste, dass er Vater ist, dass sich diese Frau erst bei seiner Familie gemeldet hatte als sie heiraten wollte und der neue Mann den kleinen Sohn nicht akzeptieren würde. Und nun wollte er seine Verantwortung tragen. Er wolle den Kleinen auf jeden Falll zu sich holen, denn er könne nicht damit leben ein Kind zu haben, das ohne ihn aufwächst, ihn nicht kennt. Er wäre glücklich, wenn ich das mit ihm gemeinsam durchstehen würde, aber er könnte auch verstehen wenn ich das nicht kann.

Es vergingen einige Monate mit viel Streit, Gebrüll, Trennungsphasen usw. Aber irgendwann habe ich mich entschieden, dass ich unsere Ehe nicht aufgeben will. Wir haben so viel gemeinsam erreicht und waren so lange zusammen, dass ich es nicht schaffte das alles hinzuschmeissen. Außerdem hat mich mein Mann in dieser Zeit menschlich unheimlich beeindruckt. Wie er damit umgegangen ist. Er hatte Riesen-Bockmist gebaut aber er stand dafür gerade und sein wichtigstes Ziel war, dem Kind ein Vater sein zu können.

Also begannen wir alles in die Wege zu leiten, damit der Kleine (er war damals 4,5 Jahre alt) nach Deutschland kommen darf. Ein Mords-bürokratischer Aufwand mit Visumsantrag, Vaterschaftstest, Jugendamt sowohl hier als auch im Heimatland. Nach ca. 6 Monaten hatten wir es aber geschafft - der Kleine konnte kommen. Mein Mann flog runter um ihn von dort abzuholen. Und ich hatte noch nie vorher so viel Angst gehabt wie an diesem Tag. Ich hatte ja keine Ahnung was mich erwartete. Schließlich war das ein Kind mit einer richtigen Scheiß-Vorgeschichte, ohne Sprachkenntnisse, mit schlimmen Traumata.......

Aber da musste ich nun durch. Und erstaunlicherweise lief alles ganz prima. Ich hatte sein Vertrauen unheimlich schnell gewonnen, weil ich mich so gut wie ganz ihm widmete. Wir unternahmen viel zusammen, redeten, spielten, ich brachte ihm Radfahren und Inliner-fahren bei, ich war diejenige die ihn in den Kiga brachte und auch wieder abholte - lange Rede, kurzer Sinn - ich ging in dieser Rolle total auf und erlebte seine Anwesenheit als echte Bereicherung. Sicher stellte er unser ganzes Leben auf den Kopf, aber wir konnten richtig zufrieden sein. Das lag wohl hauptsächlich daran, dass ich mir schon länger ein Kind gewünscht hatte und mir dieser Wunsch nun auf ungewöhnliche Weise erfüllt wurde.

Und dann ca. 8 Monate später merkte ich, dass ich schwanger war. Schock! Nicht, dass ich mich nicht freute - im Gegenteil- ich war superhappy. Aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass wir darauf evtl. nicht vorbereitet waren. Naja, aber dennoch war erstmal soweit alles okay, ich genoss meine Schwangerschaft (ich hab mich nie im Leben vorher sooo wohl gefühlt in meiner Haut) und versuchte, den Kleinen daran teilhaben zu lassen.
Wegen drohendem Platzmangel kauften wir in dieser Zeit noch ein Haus und wies so oft ist, zogen wir um als ich hochschwanger war. 3 Wochen nach unserem Einzug kam dann unser kleiner Sohn auf die Welt.
Ich war sooo glücklich und sooo verrückt nach diesem bezaubernden kleinen Kerlchen; ich wollte am liebsten den ganzen Tag nur mit ihm verbringen.

Und hier begannen die Probleme. Plötzlich spürte ich den Unterschied zwischen den beiden Jungs. Ich spürte, dass ich so sehr ich mich auch anstrengen würde, den "Großen" niemals würde so lieben können wie den "Kleinen". Ich wollte mein Baby nicht teilen und kam nur schwer damit klar, dass er einen größeren Stiefbruder hat. Wenn die Leute zu mir gesagt haben, der Kleine sehe aus wie sein großer Bruder hat mich das tierisch verletzt. Ich dachte das kann doch nicht sein, sie haben doch nicht die gleiche Mutter. Und ich merkte, dass die Verletzung von damals ganz und gar nicht verheilt war. Ich hatte sie nur beiseite geschoben und mich meiner Aufgabe als Stiefmutter gewidmet. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich niemals für den Großen eine "richtige" Mutter sein kann. Jedenfalls nicht so, wie ich mir das selbst vorgestellt hatte.

Ich versuchte so gut ich konnte, beiden gegenüber fair zu sein. Was im Praktischen bedeutet hat, dass ich versucht habe alles so zu erhalten wie es gewesen war. Doch ich musste leider erfahren, dass das unmöglich ist. So ein Baby braucht einfach viel mehr Zeit und Aufmerksamkeit, mal abgesehn davon, dass mir jede Minute, die ich nicht mit dem Kleinen verbringen konnte, in der Seele weh tat.
Gleichzeitig war ich entschlossen, dies den Großen aber nicht spüren zu lassen und ihm weiter die "Mutter" zu sein, die ich gewesen bin. Aber dabei habe ich nicht einkalkuliert, dass ja auch er den Unterschied zwischen ihm und seinem Bruder spürt. Einfach so, rein intuitiv. Ob ich mich nun bemühte oder nicht. Er merkte auch, dass meine Bindung zu dem Kleinen eine ganz andere ist als zu ihm.
Ich lebte in dieser Zeit auf dem Drahtseil. Einerseits die normalen Probleme mit einem Baby (Schlaflosigkeit, Dauerstillen, ungeheure Erschöpfung) und andererseits ein dauerndes schlechtes Gewissen, weil ich das Gefühl hatte den Großen zu vernachlässigen. Es bauten sich immer mehr Schuldgefühle auf und die Befürchtung als "Stiefmutter" total zu versagen. Ich wollte es beiden recht machen, aber ich konnte es einfach nicht. Ich war an meinen Grenzen angekommen.

Und dann entschied ich mich wieder - ganz intuitiv- dafür für MEIN Kind da zu sein. Ich wollte diese wunderbare Zeit einfach erleben und nicht mein Baby vernachlässigen um für den Großen da zu sein. Nicht, dass ich ihn ignoriert hätte oder ihn unfair behandelt hätte, aber er musste lernen zu akzeptieren, dass sein kleiner Bruder in vielen Dingen vorgeht. Dass ich eben nicht stundenlang mit ihm spielen kann oder ewig mit ihm im Bett verbringen kann. Dass er zurückstecken muss, wenn der Kleine schreit oder einfach auch beschäftigt werden will. Unter "normalen" Geschwistern ist das selbstverständlich. In meiner Situation war das eine schwere Entscheidung.

Ich glaube das war auch sehr schwer für ihn. Er hatte in mir die Mutter gefunden, die er sich vielleicht gewünscht hatte. Er hatte endlich eine normale Familie mit Mutter, Vater, Kind so wie alle anderen. Seine leibliche Mutter hat ihn wohl damals spüren lassen, dass er eigentlich nicht gewünscht war, dass seine Geburt ihr nur Probleme gemacht hat.
Und nun musste er wieder eine Mutter "verlieren". Ich denke diese Angst hat ihn sehr beschäftigt und beschäftigt ihn immer noch. Ich weiß das alles, aber ich konnte nicht anders handeln. Ich musste mich entscheiden und ich konnte nichts für seine Situation. Er und ich waren daran komplett unschuldig, mussten die Folgen aber quasi alleine ausbaden.

Das ist auch eins meiner großen Probleme. Dass ich -ob ich will oder nicht- seit der Geburt quasi automatisch zur bösen Stiefmutter werde. Dass ich mich zerreisse, alles so gut versuche wie ich eben kann, und doch bei ihm eigentlich alles nur falsch machen kann. Eben weil seine Situation so ist wie sie ist. Es lädt sich alles an mir ab. Die Beziehung zu meinem Mann hat sich kaum verändert, nur zu mir. Auf mich musste er oft verzichten, zum Spielen sind wir kaum noch gekommen; mal abgesehn davon, dass ich auch relativ wenig Lust hatte mit ihm zu spielen. So ein Alltag mit Baby ist anstrengend, da will man zwischendurch einfach seine Ruhe.

Ich habe irgendwie den Draht zu dem Großen verloren, er hat sich mir gegenüber verschlossen und scheinbar in sein Schicksal gefügt. Er hat mich immer noch sehr lieb, das weiß ich und er ringt um meine Aufmerksamkeit, aber ich kann ihm eben die leibliche Mutter einfach nicht ersetzen. Das ist einfach so.

Erschwerend kam noch hinzu, dass er kurz nach Geburt und Umzug auch noch eingeschult wurde. Er hatte also 3 Umbrüche auf einmal zu verkraften. Jeder pädagogische Ratgber sagt, dass eins dieser Dinge reicht um ein Kind aus der Bahn zu werfen. Umzug, Einschulung, Geschwisterchen.
Und ich war und bin emotional einfach überhaupt nicht in der Lage das aufzufangen. So kommt es mir zumindest vor. Andauernd muss ich Entscheidungen treffen, die mir Gewissensbisse bereiten. Andauernd von der Angst verfolgt, dass ich mit ihm etwas falsch mache, dass er dadurch später Probleme haben wird.

Ich habe mich selbst dafür aufgegeben und bin dennoch kläglich gescheitert. Ich konnte meinen Erwartungen an mich selbst, sowohl eine gute Mutter als auch eine gute Stiefmutter zu sein, einfach nicht gerecht werden.

Nun wird er demnächst 9 Jahre alt und ist generell in einer schwierigen Phase seiner Entwicklung und unser Verhältnis ist immer kühler geworden. Er ist schon aufgrund seines Alters bockiger und diskutiert um jeden Mist, aber ich habe das Gefühl, dass er mich damit auch (absichtlich???) provozieren will. Dass er dadurch meine Aufmerksamkeit gewinnen will. Aber ich bin einfach nur noch genervt. Es funktioniert fast nichts mehr wie es sollte. Er ist nicht aggressiv oder dreht durch, aber es muss eben jede Kleinigkeit Tag für Tag aufs neue ausdiskutiert werden.

Letztens wollte ich in die Stadt fahren um mir mal wieder Kleider zu kaufen und musste den Kleinen mitnehmen. Der Große musste zu hause bleiben, da er noch Hausaufgaben zu machen hatte und er später ins Fussballtraining musste. Obwohl mein Mann zuhause war und ihm bei den Hausaufgaben hätte helfen können, rief er mich ständig an um mich nach jeder Kleinigkeit zu fragen. Er sagte zu mir, dass er seinen Vater zwar gefragt hätte, der aber keine Zeit hatte ihm zu helfen.
Als ich nach hause kam wollte ich die Situation klären und habe meinen Mann gefragt warum er ihm nicht geholfen hat; darauf hat er mir geantwortet, dass der Große ihn überhaupt nicht gefragt hätte. Er hätte gesagt, er telefoniert mit einem Schulfreund und fragt wegen den Aufgaben nach.

Solche ähnlichen Situationen gibt es täglich. Die ewig gleichen Diskussionen um normale Dinge wie beim Essen ordentlich sitzen, Zähne putzen, aufstehen, ins Bett gehen, Hausaufgaben machen etc.

Vielleicht sind diese Probleme in seinem Alter ja normal, aber ich habe das Gefühl sie haben bei uns eine andere Dimension. Denn es geht weniger darum WAS er macht, als viel eher darum, dass ich irgendwie die Fähigkeit verloren habe Verständnis für ihn haben. Ich weiß, dass Kinder Probleme machen, nicht hören, bockig sind etc. aber bei ihm ist mir das einfach alle zuviel, ich bin nur noch genervt und nicht in der Lage - so wie ich es früher war - ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen, das Ganze auf eine liebevolle Art zu regeln. Stattdessen mecker ich nur noch rum und kann mich dabei selbst nicht leiden. Ich befürchte eben, dass ich meine Wut, die ich eigentlich auf meinen Mann habe nun an ihm auslasse. Und ich bin leider wütend über die Existenz von ihm. Nicht darüber, dass es ihn gibt, aber darüber, dass mein Mann mir das angetan hat, dass ich bevor ich ein eigenes Kind hatte einen Stiefsohn präsentiert bekam. Dass ich ständig Rücksicht nehmen muss und mich schlecht fühlen muss, weil ich meinen Sohn liebe. Dass ich mein Leben mit meinem Kind nicht so leben kann wie ich es mir wünsche. Frei und ungezwungen. Stattdessen muss ich mir Gedanken darüber machen, wie ich unserem Großen irgendwie helfe mit seiner Geschichte fertig zu werden. Und daran scheitere ich eben dauernd. Weil ich an seiner Geschichte keine Schuld habe; und doch fühle ich mich verantwortlich obwohl ich das gar nicht kann. Ich kann ihm seine Geschichte nicht abnehmen. Sie ist wie sie ist.

Vielleicht mache ich mich auch nur selbst verrückt, aber diese ewigen Schuldgefühle machen mich einfach fertig. Ich kann nicht anders.

Wenn ich mit meinem Mann rede, sagt er ich spinne. Dass ich eine gute Mutter für beide Kinder wäre und es ganz normal ist, dass man genervt und gestresst ist und dass es mein Recht ist auch mal überfordert zu reagieren.

Aber ich glaube das einfach nicht. Ich glaube nicht, dass man ein gute Mutter sein kann, wenn man ständig seine Entscheidungen anzweifelt und nicht angemessen reagieren kann. Wenn man die ganze Zeit das Gefühl hat alles falsch zu machen.

Am liebsten würde ich manchmal mein Kind schnappen und abhauen. Manchmal halt ich das einfach nicht mehr aus. Ich bin total überempfindlich was den Großen betrifft und mache mir deshalb dauernd Vorwürfe.
Ich bin da in einen Strudel aus nem Haufen schlechter Gefühle reingeraten und komm nicht mehr raus. Je mehr ich mich bemühe umso tiefer rutsche ich rein.

Wenn ich das vorher gewusst hätte, was da auf mich zukommt, hätte ich mich sicherlich anders entschieden. Aber ich hatte die rosarote Brille auf. War blind für die möglichen Folgen meiner Entscheidung ihn mit großzuziehen. Ich habe nicht darüber nachgedacht was sein würde, wenn ich ein leibliches Kind bekomme. Mir war nicht klar, wieviel das verändert. Und deshalb hab ich auch eine Stinkwur auf mich selbst. Dass ich so naiv war und nicht damals die Bremse gezogen habe. Es ist einfach so verdammt schwer. Eigentlich kaum zu schaffen ohne jemanden zu verletzen. Das hätte ich wissen müssen. Aber andererseits wäre dann auch mein kleiner Engel nicht geboren worden....

Was ist richtig und was falsch? Ich habe keine Ahnung mehr.

Mit meinem kleinen Sohn kann ich frei sein, auch mal einen Fehler machen. Er muss keine Angst haben mich zu verlieren, denn er weiß, dass ich ihn über alles liebe und immer seine Mutter sein werde.

Aber mit dem Großen habe ich eine Mutter-Sohn-Beziehung "gebastelt", diese war nicht von Natur aus einfach da. Und sie ist so unheimlich zerbrechlich.
Ich weiß nicht, ob ich es auf Dauer schaffe sie zu erhalten.
Oder ob ich nicht doch am Ende die böse Stiefmutter sein werde, die Schuld am Unglück des Kindes hat.
Obwohl ich das nie sein wollte.

So, das war nun meine Geschichte. Obwohl ich ziemlich viel geschrieben habe ist es dennoch nur die Kurzfassung.
Ich hoffe es findet sich aber trotz der Länge jemand, der Lust hat sie zu lesen und mir evtl. ein Feedback zu geben. Denn deshalb habe ich sie hier aufgeschrieben.

Erstmal Danke und gute Nacht


Eure P.

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26. September 2011 um 10:25

Hallo P.
Ich möchte Dir meine Meinung aussprechen und ich hoffe sie hilft Dir weiter!

1.Du bist eine tolle Frau! Eine Frau, die ihrem Mann den Seitensprung nicht nur verzeiht, sondern auch noch fähig ist das Kind, das die Folge einer Affäre, oder nenne es eines One Night Stands mit aufzuziehen so eine Frau gibt es nicht oft!!!

2.Und das ist jetzt wirklich sehr wichtig und ernst gemeint! Hör auf Dich selbst fertig zu machen. Du trägst für NICHTS Schuld. Auch nicht für Deine Gefühle, die sich jetzt so Deinem Stiefsohn gegenüber entwickelt haben. Das ist völlig normal!!! Du bist doch nur ein Mensch und keine Superheldin (obwohl Du das in meinen Augen bereits bist). Es ist völlig normal, dass eine Mutter ihr leibliches Kind intuitiv mehr liebt! Daran kannst Du nichts ändern! Schau Dir doch mal hier die Themen im Forum an. Wir, Stiefmamütter sind alle in einer anderen Situation, d.h. wir haben uns in einen Mann mit Kind verliebt und uns dafür entschieden ihn im Doppelpack zu lieben und trotzdem gibt es immer wieder Schwierigkeiten, deshalb tauschen wir uns hier aus. Dir ist das tatsächlich angetan worden und so wie Du das beschreibst machst Du schon das Beste daraus.

Okaber eine Lösung muss ja her, sonst gehst Du auf Dauer daran kaputt. Und sie liegt ganz klar bei Deinem Mann und Dir. Er hat Dir bereits gesagt, dass Du eine gute Mutter für beide bist und ich nehme an, dass er das völlig ernst meint. Aber sag ihm, dass Du überfordert bist, er muss Dir mehr unter die Arme greifen, er muss mehr Verantwortung für sein Kind übernehmen, er soll froh sein, dass er überhaupt so einen Schatz hat wie Dich, der für das Kind, das er mit einer Anderen gezeugt hat, so sorgt. Und ich würde Dir auch raten mit Deinem Stiefsohn zu reden. Such den Konflikt, 9 jährige verstehen viel mehr, als man von ihnen denkt. Sei ehrlich Deinem Stiefkind gegenüber. Nimm Zeit für ihn und frag ihn, ob er sich vernachlässigt fühlt und dann erklär es ihm. Dass es Dir leid tut, dass er jetzt in den Hintergrund gerät, aber dass der Kleine Dich jetzt mehr braucht. Du warst schließlich auch Rund um die Uhr für ihn da, als er klein war. Bitte auch ihn um Hilfe. Sag ihm, dass Du Dich darüber freuen würdest, wenn er mehr für seinen Bruder da ist.

Vielleicht hast Du ein Problem es zu akzeptieren, dass die beiden überhaupt Brüder sind. (Du hast ja die Ähnlichkeit angesprochen und dass es Dir was ausmacht, wenn man Dich darauf anspricht). Auch ein VOLLKOMMMEN NORMALES GEFÜHL!!! Was ich auch durch aus nachvollziehen kann. Tatsache ist aber, dass diese zwei Wesen wirklich Halbbrüder sind, ja, durch besondere, nicht gerade angenehme Situation entstanden, aber sie sind es! Und eines musst Du Dir die ganze Zeit vor den Augen halten. Dass der Sohn Deines Mannes leider nix dafür kann, dass er lebt! Diese Verantwortung hat allein Dein Mann und diese Frau zu tragen, sein Sohn aber wurde einfach geboren, in eine Welt, die auch für ihn von Anfang an nicht perfekt war, mit der er aber irgendwie zurecht kommen muss. Aber das weißt Du ja alles bereits!

Ich bin mir sicher, dass wenn Du Dir eingestehst, dass Du auch nur ein Mensch bist, dass diese Wut, diese Machtlosigkeit, diese Enttäuschung völlig normal sind, dass es auch völlig normal ist, dass Du DEIN Kind einfach mehr liebst, als das Deines Mannes. Wenn Du es schaffst ehrlich und offen mit Deinem Mann und seinem Sohn zu reden, endlich aufhörst für alle da sein zu wollen, außer für DICH, Du es auch schaffen wirst! Hallo, Du hast so eine Riesenherausforderung bereits geschafft, als das Kind überhaupt aufgetaucht war, dann schaffst Du das auch! Aber Du brauchst unbedingt Unterstützung! Das alles alleine zu bewältigen wäre fast schon ein Wunder!

Noch mal: Du bist ein toller Mensch, Respekt! Lass los, hör auf Dich fertig zu machen und leb!

Alles Gute für Dich!

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27. September 2011 um 0:38

Danke
Hallo sonnenbluemchen,

danke für Deinen Beitrag, es hat mir wirklich gut getan ihn zu lesen. Und im Grunde weiß ich ja, dass ich nichts für diese ganze Mist-Situation kann; es ist halt nur so, dass ich dem Jungen ein Versprechen gegeben habe und es mir nun vorkommt als ob ich es nicht einhalten könnte.

Und Du hast völlig recht! Alleine schaffe ich das zur Zeit alles nicht. Meine Einschätzung meiner Situation hat sich durch das Stöbern hier zwar schon etwas verbessert (es gibt ja wirklich eine Menge Frauen, denen es viel dreckiger geht als mir), aber ich habe trotzdem einen Termin bei einer Eltern-Kind-Beratungsstelle gemacht.

Ich glaube wir haben irgendwie verlernt miteinander zu reden. Mein Konflikt in den Gefühlen zwischen dem leiblichen und dem Stiefkind ist in unseren Köpfen glaub ich allen bewusst, nur traut sich keiner ihn auszusprechen.

Das täte uns aber sicherlich mal gut. Klarzustellen, dass es eben Tatsache ist, dass er nicht mein leibliches Kind ist und dass wir auch nicht so tun müssen als wäre er es.

Aber dass das eben gleichzeitig auch kein Nachteil sein muss, dass wir eben eine andere Verbindung haben, die wir vielleicht mal wieder neu "basteln" oder "umbasteln" müssen.

Denn eins ist mal ganz klar: hergeben würd ich meinen großen Zwerg sicher nie mehr! Ich hab ihn schon sehr lieb! Und ich würd mir so sehr wünschen, dass wir ein kleines bißchen unserer früheren Beziehung wiederbeleben können.

Und ich bin mir sicher ihm geht es genau so. Ja, deshalb will ich uns nun helfen lassen. Denn auch mein Mann muss mal Klartext reden. Logisch, ihm gefällt das Thema nicht, denn er ist ja der Verursacher dieses Problems und er wird auch nicht gern an seinen "Fehltritt" erinnert und auch ihm ist klar in welche Situation er uns gebracht hat. Aber seine Reaktion momentan ist auch ziemlich hilflos. Er will irgendwie nicht wahrhaben, dass es Probleme gibt, er ist irgendwie "festgefahren" in seinen Beteuerungen, dass alles okay und normal wäre. Obwohl er doch merken muss, dass für mich und den Großen gar nichts mehr normal ist.

Naja, ich hab ja schon wieder so viel geschrieben....tststs.

Irgendwie verselbständigt sich die Tipperei wenn ich mal angefangen habe.

Heute fühl ich mich jedenfalls schon etwas erleichtert und bin froh mich hier angemeldet zu haben und werde Euch auch bestimmt eine Weile erhalten bleiben.

An Dich sonnenbluemchen und alle anderen, die das hier vielleicht lesen: Alles Gute für Euch und Eure Familien und bis bald.


P.

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27. September 2011 um 9:52

Du bist absolut auf dem richtigen Weg!
Das hast Du mittlerweile schon alles sehr gut erkannt. Es freut mich auch zu hören, dass Du Dich bei einer Eltern-Kind-Beratungsstelle angemeldet hast. Deine Einstellung klingt bei dem zweiten Beitrag bereits viel gesünder Und es ist nur ein Tag vergangen. Ihr schafft es mit Sicherheit! Deine Erkenntnis ist bereits ein Weg zur Heilung. Die Erkenntnis darüber, dass Du gar nicht so tun musst, als wäre er Dein eigenes Kind. Die Erkenntnis darüber, dass Deine Gefühle völlig normal sind, nichts mit böse zu tun haben und es ein natürlicher Prozess ist. Wenn ihr das alles überstanden habt, werdet ihr bestimmt eine tolle Beziehung zu einander haben. Denn eines weiß der Kleine ja auch, dass Du eben nicht seine leibliche Mama bist, Dich aber nichts daran gehindert hat, ihn zu lieben. Anders, auf eine andere Art und Weise als Dein Kind, aber trotzdem geliebt. Dafür wird er Dir irgendwann mit Sicherheit auch dankbar sein!

Auch für Dich/euch nur das Beste!

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28. September 2011 um 14:15

Erstmal Respekt
ich hätte es nicht können, auch wenn man weiss, dass Kind kann nichts dafür, so ist es doch ein Kind von einer Frau, die dein Mann "genommen" hat, als er mit dir verheiratet war.

Wenn es kein Kind gegeben hätte, ob er dir wohl gesagt hätte, das er dir fremd gegangen ist??

Wichtig ist doch nur: Es ist nicht dein Kind!! Es ist seins und er hat gefälligst dafür zu sorgen, dass es ihm gut geht. Er muss rennen, machen tun, nicht du!!

Du musst dir keine Schuldgefühle einreden, warum auch.

Dein Mann ist der Schuldige, er ist der jenige der dich betrogen hat und mit einer anderen Frau ein Kind gemacht hat.

Wichtig ist nun für dich: Kümmere dich um dein Kind, geniesse die Zeit, die du mit ihm jetzt hast. Sie kommt nie wieder.

Vergiss es, dass du diesem Kind die gleiche Mutter, wie deinem eigenen Kind sein möchtest, dass funktioniert nicht.

Du bist nicht seine Mutter, du bist die Frau seines Vaters, mehr nicht.

Dein Mann kann doch nicht, in der Ehe gezeugtes Kind dir vor die Nase setzen und du musst rennen. Nein, er muss und er sollte sich jedes mal daran erinnern, was er dir angetan hat. Dieses Kind ist seine Strafe und die sollte und muss er alleine tragen.

Ehrlich gesagt, warum musst du mit dem Kind zu einer Elternberatungsstelle gehen?? Es ist nicht dein Kind, es lebt nur zufällig in deinem Haus und du kochst und wäscht für ihn. Dein Mann soll gehen, wenn er meinen sollte, dass es seinem Kind bei dir nicht gut geht.

Ich würde knall-hart trennen und einen Kopf würde ich mir schon gar wegen diesem Kind machen. Erst mal meine Kinder dann ich und wenn ich dann noch Kraft habe, dann aber erst das uneheliche Kind von meinem Mann.

Liebe kann man nicht erzwingen, vorallem nicht wenn sie auf eine so schwere seelische Verletzung aufgebaut ist, wie bei dir.

Ich wünsche dir alles Glück der Welt

Saraa





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29. September 2011 um 12:56

...denk auch an Dich!!!
Erst einmal Hut ab. Nicht jede Frau verzeit einen Seitensprung ihres Mannes und kümmert sich dann um die Folgen. Ich finde das richtig super von Dir. Schließlich kann der Kleine nichts dafür.
Ich kann Dich beruhigen, daß ich vollkommen normal, daß die Gefühle zu Deinem Kind viel stärker sind als die zu Deinem Stiefsohn. Du hast Dein Kind schließlich 9 Monate unterm Herzen getragen.

Und was dein Stiefsohn dir entgegen bringt ist schlicht und einfach Eifersucht. Er möchte Dich wohl am liebsten noch alleine haben. Das ist was ganz normales unter Geschwistern. Seh es als Kompliment. Eifersucht entsteht nur aus Liebe zu den Anderen.

Ich würde allerdings mal mit Deinen Mann reden. Ich glaube, es ist mal Zeit an ihm. Er muß sich auch mal um die Kinder kümmern. Um seinen Sohn und um Euren. Du brauchst auch mal Freiräume!!!

So wie sich das für mich anhört, bist Du die einzigste Bezugsperson für Deinen Stiefsohn, sonst würde er Dich nicht wegen jeder Kleinigkeit anrufen. Kann er bei Problemchen denn auch mal zum Papa? Oder nur mal einfach so zum Kuscheln? Sowas bindet nämlich.

Rede mit Deinem Mann!! Auf Dauer geht das sonst nicht gut. Du staust immer mehr Frust auf und gibst Dir an allem die Schuld. Was eigentlich garnicht stimmt. Das hälst Du nicht lange aus.
Wenn er überhaupt nichts einsehen will, versuche ihn mit in einer Paar- bzw. Eheberatung zu nehmen. Vielleicht läßt er sich durch Dritte mehr sagen. Manchmal brauchen Männer jemanden Außenstehenden bzw. Neutralen, der ihnen das erklärt, weil sie denken, die Frau übertreibt mal wieder.

Ich wünsch Dir viel Glück und denk daran, Du bist nicht Schuld an allem. Es gibt auch noch Andere auf der Welt, die ein wenig Schuld haben.

LG

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29. September 2011 um 19:36

@saraa33
Hallo saraa,

auch Dir erstmal Danke dafür, dass Du Dir die Zeit genommen hast meinen Beitrag zu lesen und Dir Gedanken drüber zu machen.

Was Du mir geschrieben hast klingt ja richtig wütend! Fast wütender als ich bin. Und deshalb hab ich das Gefühl Dir antworten zu müssen und auch meinem Mann ein bißchen die Ehre zu retten.

Erstmal ist das nicht so einfach zu sagen, das ist nicht mein Kind und deshalb gehts mich auch nichts an. Ich habe damals eine Entscheidung für das Kind getroffen. Und zwar sehr bewusst! Sicher hab ich einige Folgen nicht einkalkuliert, aber grundsätzlich stehe ich immer noch hinter meiner Entscheidung. Ich hätte ja auch sagen können, ich will nicht, dass der Kleine zu uns kommt und mich trennen können. Aber das wollte ich damals nicht und will es auch heute noch nicht.

Und dafür hab ich auch viele Gründe. Einer davon ist, dass mein Mann grundsätzlich ein sehr guter Ehemann und Vater ist. Ich konnte ihm bis dahin nie etwas vorwerfen, dass er mich schlecht behandelt hätte oder betrogen hätte oder sonstwas. Er hat mir nie Anlass gegeben ihm zu misstrauen. Wir sind immer zusammen ausgegangen und haben generell alles gemeinsam gemacht. Während unserer Ehe haben wir wirklich viel zusammen aufgebaut, was alles zerstört worden wäre wenn ich mich damals anders entschieden hätte.

Das wollte ich eben einfach nicht.

Und zweitens kann das Kind nu wirklich nichts dafür. Er war eben lange Zeit alleine mit uns und so ist eine engere Bindung entstanden, als wenn die leibliche Mutter noch verfügbar gewesen wäre. Für ihn bin ich in dieser Zeit eben seine Mutter geworden. Und das war ja auch mein Ziel! Dass er mich als Mutter akzeptiert.

Also kann und will ich jetzt auch nicht sagen, ich habe ein eigenes Kind nun ist er mir egal.

Aber ich muss eben einen Weg finden, mit der Situation anders umzugehen. Oder wir müssen ihn finden!

Und ich könnte -selbst wenn ich wollte- dieses Kind niemals als "Strafe" sehen. Wenn ich solche Gedanken hätte würd ich mich sofort trennen, denn dann hat das Ganze ja mal überhaupt keinen Sinn. Ich bin diese Verantwortung eingegangen und nu zieh ichs auch irgendwie durch. Manchmal weiß ich nicht so genau wie und manchmal möcht ich davor auch einfach wegrennen, aber im Grunde weiß ich, dass ich gar keine andere Entscheidung hätte treffen können damals.

Es ist eben nur verdammt schwierig!


Gruß

P.

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