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Ausziehen mit 16?

19. September 2008 um 15:14 Letzte Antwort: 24. September 2008 um 14:00

Hallo an alle,

ich will jetzt mit 16 ausziehen, denn ich habe keine schöne Kindheit gehabt und werde auch heute noch schlecht behandelt.Ich will auch auf KEINEN Fall in eine WG ,ich will zu meinem Freund.Er wohnt leider in Brandenburg und ich in Rheinland-Pfalz.

Damit man es nachvollziehen kann, erzähle ich Mal etwas:
Als Kind wurde ich ab der Geburt meiner Schwester kaum mehr beachtet.So wie bei jeder Familie, das Nesthäckchen bekommt volle Aufmerksamkeit.
Ich war da 4 Jahre alt, wollte natürlich auch Liebe und Zuwendung, deswegen habe ich immer versucht mit meinen Eltern zu kommunizieren.Es endete immer wieder darin, dass ich geschlagen, mehr verprügelt wurde.
Mein Vater ist schon länger als ich Denken kann Alkoholiker und kommt immer betrunken nach Hause.Die Schläge arteten aus, vorallem ab der Schulzeit, auch beim Hausaufgaben machen wurde ich oft geschlagen, da ich ADS hatte und man das noch nicht wusste.
Wegen Kleinigkeiten wurde ich verprügelt, zB. wenn ich eine Wasserflasche fallen ließ.
Es klingt sehr krass, doch es ist so passiert.Meine Eltern wurden beide selbst auf so eine Weise erzogen.

Irgendwann steckte mich meine Mutter zum Psychologen, da ich in ihren Augen Probleme mit den Menschen hätte.Ich habe oft gesagt, dass ich geschlagen wurde, doch immer wenn ich das sagte, drohte sie mit mit Kinderheim.

Deswegen bin ich noch hier, doch jetzt will ich zu meinem Freund ziehen.Ich habe auch mit meiner Vertrauenslehrerin geredet.Sie hat mir einen Termin mit einer Frau vom Jugendamt gemacht.Meine Vertrauenslehrerin wird dabei sein.

Jetzt habe ich eine Frage, hat hier jemand Ähnliches mitgemacht und wie verlief es?

Und wie funktioniert es den Eltern das Aufenthaltrecht zu entziehen, geht sowas schnell?

Bitte gebt mir Antwort und redet nicht davon, dass ich feige sei oder nichts aushalte.
Ich kann so nicht mehr, meine Familie macht mich krank!

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19. September 2008 um 20:47

Was du mitgemacht hast ist schlimm,
und da muß es dringend eine Änderung geben. Ich persönlich halte es jedoch nicht für richtig
mit 16 J bereits mit dem Freund zusammen zu wohnen. Befreundet sein und zusammen wohnen ist etwas anderes. Ich weiß nicht warum du dich so gegen eine WG sträubst. Das kann sehr gut sein. Und in zwei Jahren bist du 18 J und kannst dann
selbst entscheiden. Warte eben das Gespräch beim Jugendamt ab. Wie lange kennst du deinen Freund und wie sehen seine Eltern das? Ist das alles bereits geklärt? Dass du nicht mehr kannst, kann ich gut verstehen.
Gruß Melike

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22. September 2008 um 17:17

Ich habe das Gefühl, ...
... als hättest du meine Geschichte geschrieben.
Ich wurde auch von meiner Mutter fast täglich auf übelste verprügelt. Wobei meiner Mutter es egal war, wie ich meine Hausaufgaben machte oder was ich für Noten hatte. Sie hat weder mit mir zusammen Hausaufgaben gemacht, noch hatte sie mir genügend Zeit dafür gegeben. Ihr war es wichtiger, dass ich für sie springen konnte, wenn sie was wollte. Wie es mir dabei ging, war ihr egal.
Meine Mutter hat als Kind angeblich auch Prügel bekommen, aber das ist für mich kein Grund, dass sie es bei mir auch getan hat. Und eine Rechtfertigung schon gar nicht. Ich bin auch Mutter einer Tochter (8) und bevor ich ihr gegenüber die Hand erhebe, hack ich sie mir lieber ab.

Vor allem die Folgen von Gewalt im Elternhaus ist gar nicht absehbar. Ich leide noch heute darunter und bin in psychologischer Behandlung und bin arbeitsunfähig.

Meine Mutter hat auch immer gedroht, mich ins Heim zu stecken, wenn ich nicht das mache was sie sagt. Davor hatte ich immer große Angst. Ich durfte auch nie irgendjemanden etwas erzählen. Ihr Lieblingssatz war immer "was hier in der Wohnung geschieht geht niemanden etwas an". Ich habe mich auch nie getraut was zu sagen. Viele Menschen haben davon gewusst und es teilweise gesehen, sagar das Jugendamt, doch sie haben nicht unternommen. Später haben sie mich darauf angesprochen, dass ich es nicht leicht hatte. Da frage ich mich doch, warum haben sie nichts unternommen?

Mit 13 habe ich es nicht mehr ausgehalten und bin von zu Hause weggelaufen. Ich habe bei meiner Patentante Schutz gesucht und sie hat ihn mir gegeben. (Eigentlich hatte ich es schon vorher nicht mehr ausgehalten, denn mit fast 12 hatte ich versucht mir das Leben zu nehmen.)Sie wusste es auch damals, aber sie war erst 18, als ich weggelaufen bin. Sie hat sich lange Vorwürfe gemacht, warum sie mir nicht schon früher geholfen hatte. Aber ich mache ihr keine Vorwürfe, denn sie war noch zu jung. Wenn ich 18 gewesen wäre, dann hätte ich auch nicht gewusst was ich machen sollte. Heute weiß ich es. ich habe dann zu meiner Patentante gesagt, dass ich nicht mehr nach Hause zurük gehe. Denn sie hatte wieder Schläge angedroht, als ich gegangen bin. Allerdings sagte ich ihr, dass ich am Abend wieder da sei. Sie war damit nicht einverstanden. ich sollte noch verschiedene Dinge für sie erledigen. Meine große Schwester ist aus diesem Grund (Schläge) von zu Hause weggelaufen. Auch ihr wollte das Jugendamt keinen Schutz geben. Sie sagten immer, es sei ihre letzte Cjance. Meine Schwester wiederholte aber immer wieder, dass sie keine neue Chance haben möchte, weil sie es zu Hause nicht mehr aushält. Irgendwann hatte sie es geschafft sich von meiner Mutter zu befreien. Mich wollte sie mitnehmen, doch das Jugendamt und meine Mutter war dagegen.

Bei meiner patentante war ich sicher. Sie hat das Jugendamt informiert und die haben mich als Notaufnahme in ein Kinderheim gebracht. Das war das Beste was mir passieren konnte. Ich bin auch nie wieder zurück nach Hause gegangen. Außer (natürlich) in den Ferien. Dazu wurde ich gezwungen, obwohl ich Angst hatte.
Mit 18 bin ich dann in meine erste eigene Wohnung gezogen. Vor über 6 jahren bin ich dann von Meck-Pom nach Nds gezogen. Seit dem habe ich keinen Kontakt mehr zu ihr. Meine Tochter darf sie nicht sehen, weil ich Angst habe, dass meine Mutter sie auch schlägt. Die Entfernung tut gut.

Jetzt habe ich dir meine Geschichte erzählt. Aber nun zu deinen Fragen.
Also ich bin der Meinung, dass dir nichts besseres passieren kann, als in ein Heim zu gehen. Die Heime sind oftmals besser als ihr Ruf. Ich weiß es aus Erfahrung.
Mit dem Auffenthaltsbestimmungsrecht ist es natürlich so, dass es die Eltern haben, vor allem, wenn sie auch das Sorgerecht haben. Solltest du in ein Heim gehen, liegt das Auffenthaltsbestimmungsrecht bei dem Jugendamt. Manche Heime machen es auch so, dass du bei bestimmten Dingen deine Eltern fragen musst.
Aber du bist 16 und du hättest die Möglichkeit einzuklagen, dass das Auffenthaltsbestimmungsrecht vom Jugendamt übernommen wird.
Ich weiß natürlich nicht, was du schulisch machst. Hast du die Möglichkeit dir in Rheinland-Pfalz einen Ausbildungsplatz zu suchen? Das wäre vielleicht noch am einfachsten.

Das wichtigste ist aber, dass du da weg musst. Das hält kein Mensch auf Dauer aus.

Ein kleiner Tipp noch von mir:

Ich weiß nicht, wie es dir psychisch geht. Bei mir war es so, dass es mir nach meiner "Befreiung" recht gut ging und ab dem 14 Lebensjahr immer schlechter. Mit 17 hatte ich dann das zweite Mal versucht mir das Leben zu nehmen. Danach ging es mir immer schlechter.
Als ich sie dann mit 24 wegen Körperverletzung anzeigen wollte, ging es nicht mehr. Ich war zehn Monate zu spät. Die Verjährung beginnt mit dem vollendetem 10. Jahr nachdem sie Körperverletzung endete. Jetzt könnte ich sie nur noch auf Schadensersatz verklagen. Aber was bringt mir das? Nichts!!!

Also wenn du jetzt von ihnen weggehst mit 16, hast du bis zum 25. Lebensjahr die Möglichkeit es noch zur Anzeige zu bringen.
Ich möchte dir es hiermit nicht einreden oder empfehlen. Aber für den Fall, dass es dich irgendwann einholt und dich nicht mehr schlafen lässt.

Ich hoffe, dir hiermit wenigstens etwas helfen zu können. Wenn du noch Fragen hast, schreib einfach. Und wenn es nicht jeder lesen soll, dann auch pn.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft, dass du das alles durchstehst und Glück, dass du dich durchsetzen kannst und alles so klappt, wie du es möchtest.

So nun ist aber genug.

LG
Marisabel

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23. September 2008 um 23:10

Hallo
ausziehen mit 16 - unter den Umständen wird es wohl das beste sein. Aber ich an deiner Stelle würde mir überlegen, ob ich mich von einer Abhängigkeit in die nächste begeben will! Klar, wenn man verliebt ist sieht man da keine Probleme und das ist ja auch richtig und schön. Aber ich würde es für dich besser finden in eine WG oder ähnliches zu gehen! Du schreibst, er wohnt weiter weg von dir, also kennt ihr euch nur von einer Fernbeziehung! Und du überforderst eure Liebe, wenn du Hals über Kopf zu ihm ziehst. Wie alt ist er eigentlich? Will er auch, daß du zu ihm ziehst? Und willst du wirklich alle Freunde hinter dir lassen?

LG birkes

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24. September 2008 um 14:00

Du hättest auch ...
... die Möglichkeit in ein betreutes Wohnen zu ziehen. Das kann ja auch in der Nähe deines Freundes sein. So könnt ich euch trotzdem regelmäßig sehen und eure Liebe wird nicht auf solch eine harte Probe gestellt. Und außerdem hättest du dann noch jemanden den du bei Problemen auch befragen kannst. Dann ist der Schritt auch nicht so riesig und du hast dann ein anderes Freiheitsgefühl als wenn du bei deinem Freund wohnen würdest.

Ich war früher auch in einem betreuten Wohnen. Es hat geholfen von der Abhängigkeit in die Selbstständigkeit zu wechseln. Was du dann mit 18 macht, musst du wissen. Ich bin dann mit 18 in meine erste eigene Wohnung gezogen.

LG Mari

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