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Auswandern zu meinen Schwiegereltern

19. Juni 2011 um 17:13

Ich habe in letzter Zeit kaum über etwas anderes gesprochen bzw. mir die Augen aus dem Kopf geweint. Aber nun mache ich meine Probleme öffentlich, und muss sie deswegen nochmals wieder ausgraben...
Ich bin seit 2003 in einer glücklichen Bezieheung, seit 2006 auch verheiratet. Mein Mann ist Kroate, in Deutschland geboren und in beiden Ländern quasi aufgewachsen. Er wurde als Kind oft hin und her gereicht zwischen seinen Verwandten, da seine Eltern in Deutschland arbeiteten und keine Zeit für ihn und seine ältere Schwester hatten.
Sie haben allerdings schon die Weichen für seine Zukunft bestimmt. Sie bauten sich eine Ferienpension in Kroatien auf, die er übernehmen sollte, wenn er "groß" ist. Es war aber immer klar, dass seine Eltern bis zum Ende ihrer Zeit anwesend in dieser Pension sind, da sich das Wohnhaus auf dem gleichen Grundstück befindet. Und als er seinen finalen Deutschland-Besuch 2003 antretete, lernte er mich kennen....
Seine Eltern mochten mich, ich habe immer nur gelächelt und nicht wirklich viel von meinem eig. extrovertiertem Charakter gezeigt. Und lange Jahre konnten wir mit dem gleichen "Lächeln" dieses Damoklesschwert über uns ignorieren. Zumal seine Eltern auch ihren dt. Wohnsitz aufgaben und GANZ nach Kroatien gingen.
Wenn sie zu Besuch kamen, versank ich in Depressionen. Dieses ständige aufeinander hocken in einer 2 Zi Whg....Dann kamen eines Tages die Fragen nach Kindern hinzu. Und ich erhielt das nette Angebot einfach ein Kind auszutragen und es dann zu ihnen zu geben, damit ich in Deutschland weiter arbeiten könnte. Das war der Moment, wo ich meine Küche (in der das Gespräch stattfand) am liebsten in ihre Einzelteile zerlegt hätte.
Nun kommen wir zu den jüngsten Ereignissen: Wir hatten 3 Wochen Urlaub und sind zu seinen Eltern gefahren (ich war seit 3,5 Jahren nicht mehr dort). Seit meines letzten Besuches hat sich einiges verändert. Seine Eltern haben auf ihr Wohnhaus eine 1. Etage gebaut. Als zukünftige Wohnung für uns. Außerdem wurde das Gästehaus umbenannt. Es trägt jetzt nicht mehr den Namen meiner Schwiegermutter, sondern den, meines Mannes! Ein klares Statement. Um von meiner Seite auch ein Statement zu setzen, habe ich mich für rein gar nichts interessiert. Ich habe mir erst recht nicht die neu gebaute Etage angeschaut. Und an Gesprächen habe ich mich nie beteiligt. Zumal diese sowieso meißt nur auf kroatisch geführt wurden, und meine Schwiegermutter mich nur hin und wieder ansprach "nicht wahr, Nadine?" Tja, was soll man dazu schon sagen!
Nach 10 Tagen war es soweit, die gute alte Depression kam wieder und mein Mann versprach mir in 2 Tagen zurück nach Deutschland zu fahren.
Zurück in Deutschland hatten wir noch 1 Woche Urlaub, haben in dieser Zeit aber nicht wirklich Beschäftigung gehabt. Nur viel Zeit zum nachdenken. Und den Abend, bevor wir beide wieder arbeiten mussten, liess er dann die Bombe platzen.
"Ich muss zurück und meine Eltern unterstützen. Das bin ich ihnen schuldig."
Damit meinte er nicht jetzt sofort zurück, aber er will auch keine 5 Jahre mehr warten, da sein Vater 75 Jahre alt ist und er die Verzweiflung und Enttäuschung in seinen Augen gesehen hat, als sie sich verabschiedet haben. Übrigens wurde ich mit einem Handschlag verabschiedet.
Ich habe seitdem mein Mann mir das verkündet hat mit ihm und auch vielen anderen mir nahestehenden Menschen gesprochen (auch in seinem Beisein). Keiner kann diese enge Bindung zwischen ihn und seinen Eltern nachvollziehen. Alle sagen, leb Dein eigenes Leben. Du bist als einziger für Dich verantwortlich, und Du hast nur eine Verantwortung. Nämlich Dir Selbst gegenüber. Egal, was geredet wird, er bleibt bei seinem Entschluss.
Nun, ich habe meinen auch gefällt. Ich werde ihn tatsächlich begleiten und mich gegen alles entscheiden, was mir lieb und teuer ist. Aus Liebe zu meinem Mann. Völlig krank, was? Ich habe unendlich Angst davor, was die Zukunft bringt und gehe mit einem extrem unguten Gefühl darunter. Ich rechne mit Allem, ja mit Allem! Sollte unsere Ehe daran zerbrechen habe ich es zumindest versucht. Ich gehe nicht davon aus, dass die Feinfühligkeit meiner Schwiegereltern sich noch entwickeln wird. Ich brauche haufenweise Kraft, um daran nicht selbst kaputt zu gehen. Und ich kann nur hoffen, dass mein Mann sich nie auf eine Seite schlagen muss. D.H. ich muss lernen, mich anzupassen. Wir haben uns als Umzugstermin Anfang 2013 festgelegt. In dieser Zeit werde ich es hoffentlich emotional schaffen, mich mit der Situation abzufinden. Die Vorstellung an Trennung, obwohl wir uns beide über alles lieben ist einfach zu abstrakt für uns.
Ich stelle jetzt am Ende keine Frage, ich wolte euch nur meine Geschichte erzählen.

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19. Juni 2011 um 22:27

Ich danke Dir für Deine Nachricht.
Ja, Du hast Recht. Ein selbstbestimmtes Leben wird es für mich dann höchstwahrscheinlich nicht mehr geben. Mein Mann möchte diesen Irrsinn übrigens auch nicht. Er steht am Scheideweg und denkt (ich bin nicht sicher, ob das Spaß war) an Suizid, einfach nur deswegen, dass niemand ihn haben kann und er diese Entscheidung nicht treffen braucht. Er will niemanden verletzen. Er verzichtet also genauso auf seine Freiheit, vielleicht sogar noch mehr als ich. Ich will ihm zeigen, dass ich zu ihm halte, dass ich für ihn da sein werde. Ich habe ihm gesagt, dass er dann der einzige Mensch für mich ist. Ich werde wie eine Zecke an ihm kleben. Auch nicht gerade einfach für ihn. Aber er wird das auch in Kauf nehmen müssen.
Und ich hoffe, dass er eines Tages den Mut aufbringen wird, für sich selbst Entscheidungen zu treffen, und vor allem mit den Konsequenzen zu leben. Auch dann, wenn sie nicht jedem passen, sei es mir, oder seinen Eltern. Im schlimmsten Fall heißt es Neustart für mich, nochmal bei Null anfangen...
Aber ich denke, ich muss mal zum Psychologen.

LG, Nadine

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20. Juni 2011 um 21:31

Hört sich nach ner guten Idee an
Nochmals vielen Dank für Deine Antwort. Und dafür, dass Du mir gerade eben schon die erste Kraft geschenkt hast
Ich werde mit meinem Mann über Deinen Vorschlag sprechen, bin guter Dinge, dass auch er sich das vorstellen kann.
Ich wünsche Dir auch alles erdenklich Gute und Deinen Lieben selbstverständlich auch.
Liebe Grüße, Nadine

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21. Juni 2011 um 14:52

Nicht in Ohnmacht fallen !
Hallo Nadin !
Ist Eure Liebe eine Einbahnstraße ?
Wie kann eine Zukunft glücklich machen wenn Du schon am Anfang innerliche Blockaden hast. Das geht nicht gut, bleibe hier und warte ab wie Dein Mann darauf reagiert. Setzt er sich durch und zieht zu seinen Eltern dann schicke Deinen Ehering hinterher. Mit so einer Hörigkeit wärst Du auch in tiefsten arabischen Ländern willkommen.
Es ist AUCH Dein Leben und dieses besitzt Du nur einmal. Wer nicht kämpft hat schon verloren und das wiederholt sich in Kroatien und die Zeit läuft.......

Ich wünsche Dir alles Gute Udo.

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12. August 2011 um 10:42
In Antwort auf nadine7774

Hört sich nach ner guten Idee an
Nochmals vielen Dank für Deine Antwort. Und dafür, dass Du mir gerade eben schon die erste Kraft geschenkt hast
Ich werde mit meinem Mann über Deinen Vorschlag sprechen, bin guter Dinge, dass auch er sich das vorstellen kann.
Ich wünsche Dir auch alles erdenklich Gute und Deinen Lieben selbstverständlich auch.
Liebe Grüße, Nadine


Sieh es nicht zu schwarz!

Vielleicht habt ihr ja wirkliche eine wunderbaren Neustart in Kroatien. Schief gehen kann immer was. Selbst wenn ihr nicht nach Kroatien ziehen würdet.

Ich finde es sehr nett von deinen Schwiegereltern, dass sie für euch bereits ausgebaut haben. Schade dass du es dir nicht angesehen hast, vielleicht hätte es dir gefallen.

Möglicherweise kannst du auf einen eigenen Eingang bestehen! Das trennt vieles!

Wenn deine Schwiegereltern merken, dass du dich bemühst, ihren Sohn glücklich zu machen, werden sie sich auch darüber freuen und dich in ihr Herz schliessen.

Das mit den Kindern darfst du nicht so ernst nehmen. Sie sind damit aufgewachsen, dass die Großeltern auf die Kinder aufpassen, damit die Eltern Geld verdienen können! So war es damals oft!

Du wirst das sicher schaffen! Du hast einen starken Charakter!

Alles Gute!!

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14. August 2011 um 15:35

Dein Partner ist zerrissen zwischen zwei Kulturen
und das was deine Schwiegereltern da geplant haben und zwar schon jahrelang, das entspricht der kroatischen Kultur.
Ihr habt zu keinem Zeitpunkt etwas dagegen gesetzt . Ihr habt einfach gehofft, dass dieses Schwert an euch vorüber zieht und das tat es nun nicht. Ich kann dir auch nur dringend empfehlen, nehmt eine Paarberatung in Anspruch. Ihr müsst die beiden Kulturen zusammen bringen, in der Forum dass ihr glücklich damit leben könnt. Dein Partner wird im Herzen im Kroate sein . Und wenn man einen Mann aus einem anderen Kulturkreis hat, dann muß man da auch Kompromisse finden.
Viele Kinder wurden hier geboren und dann bei Verwandten im Ausland versorgt, Das ist für uns undenkbar, aber dort so üblich. Darüber muß man reden. Es gibt wirklich ganz schlimme Schwiegereltern , aber sie haben sich nur ihrer Kultur und Herkunft entsprechend verhalten. Und dass du nicht geredet hast und dich nicht um die Sprache bemühlt hast, das kannst du niemand zum Vorwurf machen.
Gruß Melike

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