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Ausbildung: Lehrherr lässt Tochter nicht regelm. zur Berufsschule

16. September 2004 um 15:24 Letzte Antwort: 7. Januar 2006 um 22:20

Sehr geehrte Damen und Herren,

unsere Tochter (17) hat in ihrem Traumberuf (Friseurin) eine Ausbildungsstelle gefunden und wir sind auch sehr froh darüber.

Doch unsere Freude darüber hält sich in Grenzen: der Betrieb wechselt das Personal jährlich komplett; d. h. sowohl Auszubildende als auch geprüfte Friseurinnen brechen das Arbeitsverhältnis ab, was laut deren Aussagen am Chef liegt. Auch sonst wurde uns nur Negatives berichtet.

Meine Tochter musste sofort, sobald die schriftlichen Abschlussprüfungen an der Realschule vorbei waren, nachmittags nach der Schule in den Betrieb kommen, um schon vor Ausbildungsbeginn (01.08.) in bestimmten Dingen fit und einsetzbar zu sein. Unentgeltlich natürlich. Aber sie war ja froh, überhaupt eine Stelle gefunden zu haben.

Nun hatte sie zum ersten Mal Berufsschule (immer montags und dienstags).
Um den freien Montag, wie er bei Friseuren üblich ist, nachzuholen, hatte sie am Mittwoch frei; musste jedoch um 16:00 Uhr für drei Stunden in den Betrieb kommen, da der Chef an den kommenden Tagen keine Zeit hat, ihr etwas zu lernen. Das soll auch so bleiben. Doch wozu dann der freie Tag?

Nach der Berufsschule (um 7:00 Uhr Zugfahrt (30 km) dorthin; von 8:00 Uhr bis 15:30 Uhr Unterricht; Rückfahrt und Ankunft ca. 17:00 Uhr, müssen die Auszubildenden noch mal in den Betrieb kommen. Donnerstag + Freitag müssen sie abwechselnd teils bis 20:00 Uhr arbeiten; fangen dann aber morgens später an.

Nun hat auch die letzte Friseurin im Betrieb gekündigt und der Chef schafft die Arbeit alleine nicht mehr. Jetzt soll unsere Tochter anstelle der 2 Tage Berufsschule nur 1 x wöchentlich zur Schule gehen. Ist das zulässig?

Dazu will er mit uns Eltern ein Gespräch führen.

Wie sollen wir uns verhalten? Unsere Tochter ist noch in der Probezeit und will die Stelle nicht verlieren.

Mit freundlichen Grüßen

Johanna Ebner




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16. September 2004 um 15:33

Ich bin mir ganz sicher...
... dass das nicht zulässig ist! Wie du an meinem Namen sehen kannst, bin ich noch ziemlich jung und habe erst vor einem Jahr meine Ausbildung zu Ende gemacht (übrigens Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte, hatte dieses Thema also auch in der Schule). In meinem Vertrag stand ganz deutlich, dass der Arbeitgeber die Arbeitnehmerin, also mich, für die Berufschultage freistellen muss. Das wird wohl auch in dem Vertrag deiner Tochter stehen. Guck mal nach.

Gruß
Jule

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16. September 2004 um 16:07
In Antwort auf

Ich bin mir ganz sicher...
... dass das nicht zulässig ist! Wie du an meinem Namen sehen kannst, bin ich noch ziemlich jung und habe erst vor einem Jahr meine Ausbildung zu Ende gemacht (übrigens Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte, hatte dieses Thema also auch in der Schule). In meinem Vertrag stand ganz deutlich, dass der Arbeitgeber die Arbeitnehmerin, also mich, für die Berufschultage freistellen muss. Das wird wohl auch in dem Vertrag deiner Tochter stehen. Guck mal nach.

Gruß
Jule

Lehrherr beutet aus
Hallo Jule,

danke für Deine Antwort.

ich arbeite in der Personalabteilung einer großen Firma und werde täglich mit Gesetzen und Vorschriften zum Schutz von Arbeitnehmern konfrontiert, die ich einzuhalten habe.

Laut Berufsbildungsgesetz ist der Ausbilder verpflichtet, die Auszubildenden an Berufsschultagen freizustellen. Wenn nicht, wird das sogar mit Bußgeld geahndet.
Das Recht ist auf der Seite meiner Tochter, nur, wie gehe ich gegen die Forderung des Chefs an? - Meine Tochter ist noch in der Probezeit und sie fürchtet um Ihre Arbeitsstelle. Denn der Herr wünscht mit den Eltern eine Aussprache 14 Tage vor Ablauf der Probezeit.

Stelle ich mich quer und poche auf die Rechte meiner Tochter, dann befürchte ich....

Das ist ironisch: Beruflich muss ich mich strikt an die Arbeitsgesetze halten; privat soll ich darüber hinwegsehen?

Gruß
Hanna

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16. September 2004 um 16:29
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Lehrherr beutet aus
Hallo Jule,

danke für Deine Antwort.

ich arbeite in der Personalabteilung einer großen Firma und werde täglich mit Gesetzen und Vorschriften zum Schutz von Arbeitnehmern konfrontiert, die ich einzuhalten habe.

Laut Berufsbildungsgesetz ist der Ausbilder verpflichtet, die Auszubildenden an Berufsschultagen freizustellen. Wenn nicht, wird das sogar mit Bußgeld geahndet.
Das Recht ist auf der Seite meiner Tochter, nur, wie gehe ich gegen die Forderung des Chefs an? - Meine Tochter ist noch in der Probezeit und sie fürchtet um Ihre Arbeitsstelle. Denn der Herr wünscht mit den Eltern eine Aussprache 14 Tage vor Ablauf der Probezeit.

Stelle ich mich quer und poche auf die Rechte meiner Tochter, dann befürchte ich....

Das ist ironisch: Beruflich muss ich mich strikt an die Arbeitsgesetze halten; privat soll ich darüber hinwegsehen?

Gruß
Hanna

Ehrlich gesagt...
nachdem, was du so alles über den Chef und seine Vorgehensweisen geschrieben hast, würde ich es darauf ankommen lassen. Das was der macht ist wirklich Ausbeutung! Ich denke, wenn er wirklich so weit gehen würde zu sagen: "entweder oder" würde ich meiner Tochter raten, die Ausbildung zu beenden. Wirklich. Es stimmt zwar, dass man froh sein kann, wenn man nen Ausbildungplatz hat, aber irgendwann ist auch Schluss und man sollte sich nicht alles gefallen lassen. Du solltest dich mit deiner Tochter zusammensetzen und in Ruhe mit ihr darüber reden. Überleg mal, was er jetzt schon alles verlangt. Wer weiß, was sonst noch kommt?!

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7. Januar 2006 um 22:20

Nicht so weiterlaufen lassen.
Hallo Hanna,
ich an eurer Stelle würde mich an die zuständige Handwerkskammer wenden. Weil so gehts ja nun nicht. Das duale Ausbildungssystem in Deutschland ist eines der besten weltweit. Und das nicht ohne Grund. Mir scheint, dass der Herr Lehrherr nur eine billige Arbeitskraft braucht.

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