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Abschied nehmen verwehrt

5. April 2017 um 10:20



Am 14.03.2017 erfuhr ich vom Tod meiner Mutter,  obwohl sie bereits am 25.02.2017 verstarb und bereits am 04.03.17  eingeäschert wurde. Ich habe es erst einige Tage nach der Beisetzung erfahren.  Ich bin geschockt, erschüttert, enttäuscht – kurz, ich finde keine Worte für so eine Abgebrühtheit meiner „Familie“
 
Ich habe noch 2 Schwestern, eine ist das Nesthäkchen Nicole und 2 Jungen, von denen der jüngere vor vielen Jahren nach Spanien ausgewandert ist, weil er die ständigen Eskapaden unserer „Familie“ so satt hatte.  Ein weiterer Bruder verstarb im Vorschulalter. Meine Eltern haben bei den Kindern  immer große Unterschiede gemacht. So war ich eigentlich immer das 5. Rad am Wagen. Mein Vater nannte mich immer „Dicke“, was heute noch schmerzt. Nesthäkchen Nicole, 10 Jahre jünger als ich -  und somit der absolute Mittelpunkt im Leben meiner Eltern. Ich war nur gut um finanziell auszuhelfen, in Notsituationen da zu sein und ewig Privattaxi zum Nulltarif. Für mich war das nie ein Opfer -  war halt Familie. Ich habe eigentlich immer versucht Kontakt zur Familie zu halten, immer wieder den ersten Schritt gemacht, Streit wieder beizulegen. Manchmal funktionierte es – oft auch nicht.
 
Viele Jahre und viele Liter Tränen später, habe ich mich mit dem Gedanken auseinandergesetzt, dass w i r  halt keine Familie im üblichen Sinne sind. Meine Pro und Contra Liste ist auf der ungeliebten negativen Seite so lang, dass ich mich seit ein paar Jahren damit abfinden muss, dass es so ist, wie es ist. Mir ist klar geworden, dass ich nach vorn schauen muss, wenn ich mir treu sein will und mich und mein Umfeld nicht ständig mit negativen Einflüssen runterziehen will.
Seit mehr als 3 Jahren beschäftige ich mich damit, was ist, wenn einer meiner Eltern mal diese Welt verlässt. Ich denke -  mein Vater belastet mich herzlich wenig. Immer wieder und immer öfter denke ich aber drüber nach, was ist wenn meine Mama geht. Der schlimmste Gedanke aber war, werde ich es erfahren, wenn Mamas Herz aufgehört hat zu schlagen. Ich muss dazu sagen, meine Mutter ist immer eine kleine Maus gewesen, die ebenfalls nur funktionierte. Mein Vater – ich nenne ihn nur „Erziehungsberechtigter“ war der Tyrann zu Hause. Sein Wort war Gesetz, Wiedersprüche waren nicht gestattet!
 
Nun -  was soll ich sagen, mein Albtraum ist nun wahr geworden. Mein Vater – und auch meine Geschwister hielten es nicht für nötig, mich zu benachrichtigen!  Meine kleine Schwester – das Nesthäkchen natürlich, und mein Bruder – der seit vielen Jahren in Spanien lebt, konnten sich von Mama verabschieden.  Um es nicht unbedingt in die Länge zu ziehen, kurz und schmerzlos, ich habe Fragen über Fragen und bekomme keine Antworten! Ich konnte meiner Mama nicht sagen, dass ich sie immer in meinem Herzen tragen werde, ich ihr ewigen Frieden wünsche und so ihr gern viel andere Dinge gesagt hätte.
Dieser Gedanke, dass es endgültig ist, dass es KEIN Wiedersehen gibt -  einfach nichts mehr da ist, ich ihr nie wieder wichtige Dinge sagen kann bzw. sagen konnte.  Ich würde gern Dinge erfahren, wie Dinge, ob sie gelitten hat, ob sie noch was gesagt hatte, bevor sie uns verlassen hat. Mir fehlen all diese Dinge.
Ich habe ständig Probleme, mich auf Dinge zu konzentrieren, da meine Gedanken ständig abschweifen. Musste meine Mama leiden, hat sie gewusst, dass es zu Ende geht… und so weiter. Ich sitze im Büro und mir fallen die einfachsten tagtäglichen Dinge schwer – mir fehlt es an Konzentration. Ich versuche mich abzulenken, das gelingt mir für den Augenblick, an dem ich mit anderen zusammen bin, mich mit anderen unterhalte oder einmal Non Stopp arbeiten kann -  was aber zusehends schwerer fällt.  Ich hab das Gefühl, mein Kreislauf ist im Keller, dann rast mein Herz, ich fühle mich krank, schlapp, unausgeglichen, bin traurig und enttäuscht von so vielen Menschen, die mir nahestehen bzw. eigentlich nahestehen sollten. Ich glaube, ich funktioniere nur noch.  


Achja – bleibt noch hinzuzufügen, dass ich bereits vor 2 Jahren meiner Schwester besuchen wollte, um den Familienfrieden wieder herzustellen. Mein Schwager schob mich vom Grundstück unter Androhung von Prügel.
 
Wie komme ich aus dieser Lage wieder raus? Was kann ich tun?

Danke vorab für Eure Antworten

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5. April 2017 um 11:32

Das tut mir leid und ich finde es furchtbar,  wenn man keinen Abschied nehmen kann. Du tust dir aber keinen Gefallen, wenn du das als zusätzlichen Grund nimmst, mit deiner Familie zu brechen. Natürlich hätten sie dich informieren  müssen.
Aber mal ganz ehrlich, wo warst du denn in den Wochen nach ihrem Tod ? Du schreibst,  dass das immer deine Sorge war, dass ihr Herz aufhört zu schlagen. Hört man dann nicht regelmäßig nach, wie es der Mutter geht, um die nan sich so viele Gedanken macht ?
Vielleicht ist es dein eigenes Gewissen, dass dich jetzt so hadern lässt ?
Manchen Menschen hilft es, einen Abschiedsbrief ans Grab oder an einen geliebten Ort zu bringen. Könnte dir das gut tun ? Ich wünsche dir einen guten Weg, dich zu verabschieden. 
 

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5. April 2017 um 15:02

Ich habe versucht es so kurz wie möglich zu halten.

Mein Vater ist der springende Punkt. Ich bin mit ihm seit meiner Kindheit nicht klar gekommen. Ich bin direkt mit 18 jahre ausgezogem. Er war immer fies und unverschämt zu mir, Schläge, Unterdrückung und Unverschämtheiten. Vor paar Jahren war ich wieder eimal dort war, um mich in Erinnerung zu bringen, eigentlich den Kotakt wieder herstellen. Er sagte mir ganz klar, ich sollte mir einen Termin holen, wenn ich jemanden besuchen wolle. Ich lebe 300 km von meiner Familie entfernt. Ich hatte immer gehofft, dass mein Vater als erstes geht -  dann hätte ich den Kontakt zu meiner Mutter wieder aufbauen können. Jetzt ist ALLES zu spät. 
 

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